Sonderverein der Deutschen Puten- und Perlhuhnzüchter

 

 

                  

 

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Zuchtwartebericht Puten 2009

 

 

Sehr geehrte Zuchtfreunde,

 

der SV deutscher Puten- und Perlhuhnzüchter hat im Jahr 2008, also 1 Jahr nach seinem 100-jährigen Bestehen, 4 Sonderschauen durchgeführt.

 

Diese waren:

a)      Hauptsonderschau anlässlich der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover mit 70 Puten in 7 Farbenschlägen, 36 Perlhühnern und 1 Stamm in 5 Farbenschlägen

b)      Sonderschau anlässlich der Badischen Landesschau in Mannheim mit 26 Puten, 1 Voliere und 1 Stamm in 4 Farbenschlägen, 5 Perlhühner in 1 Farbenschlag

c)      Sonderschau anlässlich der Lipsia in Leipzig mit 70 Puten in 7 Farbenschlägen, 36 Perlhühner und 1 Stamm in 5 Farbenschlägen

d)      Sonderschau anlässlich der nationalen in Erfurt mit 172 Puten in 12 Farbenschlägen und 90 Perlhühnern in 8 Farbenschlägen

 

 

Die Ausstellungsfreudigkeit ist konstant. Wir haben insgesamt 377 Puten und 161 Perlhühner der Öffentlichkeit präsentiert

Auffallend ist nur, dass sich der Trend immer mehr zu den kleinen Farbenschlägen hinzieht

Denkt man zurück, so konnte man auf früheren Schauen alleine mit den großen Farbenschlägen einen Preisrichter auslasten. Vor 25 Jahren, also 1984 standen zur Nationalen in Nürnberg 50 Bronze; 10 Schwarzflügel; 24 Weiße, 14 Rotflügel; 12 Bourbon; 17 schwarze; 20 Blaue, 28 Cröllwitzer; 4 Rote und 4 Kupfer; dazu 26 Perlhühner in Blau und Violett. Insgesamt also 183 Puten und 26 Perlhühner

 

Meine lieben Zuchtfreunde,

aufgrund meiner Hüftoperation konnte ich in der Schausaison 2008 von unseren 4 Sonderschauen leider nur eine besuchen.

Ich möchte es mir nicht anmaßen alleine anhand der Kataloge über die gezeigten Tiere zu urteilen bzw. über den Zuchtstand zu diskutieren.

Ich habe deshalb einen Vortrag ausgearbeitet mit dem Thema

 

Rund um die Putenzucht

Ich möchte Ihnen heute etwas näher bringen und vielleicht einige Vorurteile oder auch Ungewissheit ins rechte Licht rücken

 

Zunächst etwas zur Herkunft.

Die Puten stammen aus Nord- und Mittelamerika. Bereits kurz nach der Entdeckung Amerikas 1492 kamen um 1520 herum durch spanische Seeleute Puten oder auch Truthühner genannt, nach Spanien, England, Frankreich und Deutschland. Leider hat die Putenzucht in den ersten 350 Jahren nach ihrem Erscheinen in Deutschland nicht die Anerkennung und Verbreitung gefunden, wie dies in anderen europäischen Ländern der Fall war. Erst Ende des 19. Jahrhundert nahm man sich in verstärktem Maße der Putenzucht an. Nach der Gründung des Sondervereins im Jahre 1907 nahm die  Bedeutung der Truthuhnzucht ständig zu. In erster Linie waren es die Besitzer von Rittergütern, Großgutshöfen, landwirtschaftlichen Großgehöften, aber auch angesehene Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel, die sich den so genannten „Neuweltvögeln“ annahmen. Hier wiederum war es vornehmlich ein Privileg der Frauen, sich am Hofe um das Geflügel zu kümmern. Man sah es als Prestige an, sich in dieser gehobenen Gesellschaft Federvieh leisten zu können, das nicht alltäglich ist. Nach dem ersten Weltkrieg dann kamen allmählich immer mehr Züchter, die sich der Putenzucht widmeten.

Einige grundlegende Punkte sind hier von großer Wichtigkeit

 

  1. Platzverhältnisse

Die Pute ist von Natur aus ein Weide- und Steppenvogel. Sie kann jedoch auch gerade von uns Hobbyzüchtern in eingeschränkter Stückzahl in gegrenzten Ausläufen gehalten werden

Es ist ausreichend, wenn man für ein Tier einen Grünauslauf von 15 bis 20 m² zugrunde legt. Wenn mir also 500 m² zur Verfügung stehen, kann ich getrost einen Stamm von 1,2 bis 1,3 Alttieren mit 20 bis 25 Jungtieren aufziehen. Wichtig zu wissen ist, dass eine Pute nicht scharrt wie ein Huhn, sondern Grasspitzen abpickt. Ein Auslauf wird dann den ganzen Sommer über bewachsen sein. Ein mit Obstbäumen bewachsener Auslauf wird von den Puten sehr geschätzt, zum einen der Deckung wegen und des Schattens im Sommer, zum andern fressen sie gerne das Fallobst.

Als Stallfläche rechnet man auf 1 m²  ein ausgewachsenes Tier, dazu einen Sitzstangenplatz von ca. 50 cm. Die Sitzstangen müssen auf einer Ebene liegen. Nicht wie man oft in Hühnerställen sieht, dass sie nach oben gestaffelt sind. Eine jede Pute will immer noch höher hinaus als die andere und somit käme es auf höchstgelegenen Stangen zu Streitigkeiten

 

  1. Der Zuchtstamm (Paarungsverhältnis und Befruchtung)

Im Dezember oder Januar wird der Zuchtstamm zusammengestellt. Je nach gewicht des Farbenschlages kann man einem Junghahn 10 bis 15 Hennen zuordnen. Es ist darauf zu achten, dass die Körpergewichte der Geschlechter nicht allzu weit auseinander liegen. Falsch ist es, zu glauben, dass ich mit einem übergewichtigen Hahn und einer schwachen Henne das Idealgewicht in der Nachzucht bekomme. Die schwache 0,1 kann beim Tretakt so schwer verletzt werden, dass es zu gar keiner Befruchtung kommt.

 

Die Bestrebungen in der Zucht gehen dahin, dass ich kräftigen Hennen einen nicht zu schweren, jedoch formlich und in den Rassemerkmalen guten Hahn zusetze.

Nach einer erfolgreichen Paarung, die einmalig vollzogen wird, legt eine Pute bis zum 34. tag befruchtete Eier. Brütet sie dann noch nicht, so muss sie nochmals nachgetreten werden. Puten verlegen sehr gerne. Man kann ihnen hier etwas zuvor kommen, indem man im Auslauf oder auch im Stall etwas mit zweigen getarnte Nester baut und mit einem Gipsei versieht. Eine Pute legt grundsätzlich immer in dasselbe Nest oder dem gleichen Platz

 

  1. Die Brut

Eiern Pute, die nicht gerade auf Legeleistung getrimmt wird, wie in den Großzuchtbetrieben, wird nach Ablegen ihres Eierstocks von ca. 15-25 Eiern selbst brüten. Das ist für den Züchter die einfachste Art. Puteneier können aber genauso gut im Apparat wie Hühnereier gebrütet werden.

Es ist auch möglich eine Pute zum Brüten zu zwingen. Eine Zwangsbrut ist jedoch nur vor der Legeperiode, also ungefähr bis Ende Februar möglich, solange sich der Eierstock noch nicht entwickelt. Zur Zwangsbrut bevorzugt man in der Regel nur Althennen. Mit Jungputen ist der Erfolg wesentlich geringer, da der Eierstock meistens schon „angelaufen“ ist. Das Nest baut man ebenerdig und fasst es mit Steinen ein. Dann rupft man die Pute am bauch etwas nackt, reibt sie leicht mit Schnaps oder Spiritus ein und setzt sie in das Nest mit angewärmten Gipseiern. Jetzt stülpt man einen Korb oder Kiste darüber und zwar so, dass die niedergedrückte Pute nicht berührt wird, andererseits aber auch nicht voll aus den Beinen heraus kann. Das Nest, das in einem ruhigen, etwas abgedunkelten Raum sein soll, wird dann 2 Tage nicht angerührt. Danach lässt man die Pute ca. 15 Minuten vom Nest, reinigt es und setzt sie, ohne sie herumzujagen wieder darauf. Nach 3 bis 4 Tagen, bei jetzt täglicher Abnahme geht die Henne von selbst aufs Nest zurück. Nun kann die Henne angesetzt werden. Es ist von großen Vorteil, wenn das Tier von den gleichen Personen regelmäßig versorgt wird und zwar jeden Tag etwa 15 Minuten abgehoben, das Gelege kontrolliert und wieder auf das Nest gelassen wird. Auch ältere Hähne lassen sich nach der Balzzeit so Ende Mai zur Brut zwingen. Die Brutdauer beträgt 28 Tage. Die Eier werden wie Bruteier von Hühnern behandelt

 

  1. Die Kükenaufzucht

Das einfachste für einen Züchter in unseren Ausmaßen ist die natürliche Kükenaufzucht und das Führen mit einer bewährten Henne. Eine Pute kann ca. 20 Küken gut führen. Um Verluste in den ersten tagen zu vermeiden, hält man die gegen Nässe empfindlichen Putenküken bei genügend Bewegungsfreiheit in einem trockenen Raum. Nach 2 Wochen lässt man sie bei schönem Wetter hinaus, sobald das Gras morgens trocken ist. Um zu vermeiden, dass die Putenglucke die Jungen zu weit vom Stall abführt, begrenz man den Auslauf. Selbst dann, wenn man sicher ist, dass die Pute bei leichtem Regen ihre Küken gut deckt, sollte man seine züchterische Arbeit nicht unnötig in Gefahr bringen und die Tiere vor der 8 Woche nicht nass werden lassen. Was man hier in den ersten Wochen richtig macht, lohnt sich für spätere Entwicklung der Tiere. Bei der künstlichen Aufzucht ist darauf zu achten, dass Putenküken in den ersten Tagen viel wärembedürftiger sind als Hühnerküken. Von einer Anfangstemperatur von 38 bis 40 °C kann diese dann wöchentlich um 2,5 bis 3 ° C absinken. Die Wärme muss etwa 5 bis 6 Wochen, je nach Witterung und Jahreszeit gegeben werden und soll nicht unter 18 ° C sinken. Trockener Stall, Frischluft, Sauerstoff usw. wie bei der Kükenaufzucht

 

  1. Die Fütterung

Die Pute ist von Natur aus ein Grün- und Weichfutterfresser. Wenn im Kükenalter kein spezieller Putenstarter zur Verfügung steht, kann das gleiche Kükenkorn wie für Hühnerküken gefüttert werden. Dazu ist die reichliche Zufütterung von Brennnessel für die Aufzucht durch nichts zu ersetzen; desgleichen die blühenden und samentragenden Brennnesseln im Sommer und Herbst, wenn die Grasnarbe in kleineren Ausläufen nachlässt.

Im Alter von 8 Wochen stellt man dann auf Junghennenkorn um und mischt bereits etwas Körnerfutter bei. Von Küken- und Junghennenmehl ist abzuraten, da dies in der Hauptsache die Ursache für abgehackte Nasenzapfen ist. Die Tiere saufen, gehen dann ans Futter, der Nasenzapfen hängt voll Mehl, andere hacken das Mehl ab und wenn es blutet, ist der Nasenzapfen innerhalb kürzester Zeit weg und somit fehlt ein typisches Rassemerkmal. Den Sommer über fressen die Puten auch alle im haus anfallenden Weichabfälle.

Vor der letzten Mauser wird das Futter dann etwas schwerer und man kann je nach Farbenschlag die Tiere durch Beifutter von Mais, Erbsen, Eicheln, Sonnenblumen und kleinen Gaben von Lebertran in die gewünschte Schauverfassung bringen. Zur Zuchtzeit wird auf Hafer, Gerste und etwas Eiweißfutter umgestellt

 

  1. Die Geschlechtererkennung

Im Alter von 12 bis 14 Wochen werden die Tiere beringt. Neben den allgemeinen körperlichen Unterschieden wie Größe, Stärke der Beine und des Kopfes kann man bei Hähnen den Fleischzapfen über den Schnabel lang ziehen, was bei Hennen nicht möglich ist. Ferner ist der Kopf des Hahnes unbefiedert, während die Henne über dem Scheitel eine spärliche Befiederung zeigt. Ferner trägt der Junghahn unter dem Brustgefieder bereits den Ansatz zum Haarbüschel. Denken Sie daran, dass es auch Hennen gibt, die ein Haarbüschel haben können. Sollten sie doch beim Beringen aufgrund verschiedener Altersgruppen am Geschlecht zweifeln, so opfern sie noch einen zweiten Ring und entfernen bei 100%iger Sicherheit den überflüssigen Ring. Es kommt dann nicht vor, dass ausgerechnet die kräftigste und schönste Henne zur Schau einen Hahnenring hat.

 

Krankheiten

Neben den häufigsten Geflügelkrankheiten wie Pullorumseuche, Luftröhrenerkrankheiten, Vitaminmangelerscheinungen usw. können Puten zusätzlich von der gefürchteten Schwarzkopfkrankheit befallen werden. Die Schwarzkopfkrankheit (Blackhead) ist eine ansteckende Blinddarm-Leberentzündung, die vorwiegend im Entwicklungsalter von 4 bis 16 Wochen auftritt. Der Erreger vermag in die Eier der Blinddarmwürmer einzudringen und ist daher im Schutz dieser Eikapsel gegen äußere Einflüsse sehr resistent. Wegen der Ansteckungsgefahr sollen auf keinen Fall Hühner und Puten zusammengehalten werden, ebenso kein Wassergeflügel wegen der Nässe.

Die Krankheitszeichen sind Mattigkeit, mangelnde Fresslust, sträubendes Gefieder, Flügelhängen, schleimiger und später schwefelgelber Kot. Die Kopfhaut verfärbt sich in manchen Fällen dunkel bis Blauschwarz.

Hier gab es hervorragende Medikamente, um diese Krankheit in den Griff zu bekommen. Leider wurden diese Medikamente im Zuge des neuen Arzneimittelgesetzes vom Markt genommen und selbst in den Putenmastanstalten werden von vornherein 30% Verlust einkalkuliert. Für den Züchter bedeutet das, dass er jetzt noch wachsamer sein muss, befallene Tiere bereits im Frühstadium erkennt und sie von den gesunden abtrennt. Alle am Markt vorhandenen Mittel, die bei den Tauben gegen den gelben Knopf oder bei Schweinen gegen die Schweinepest eingesetzt werden, können auch gegen die Schwarzkopfkrankheit wirksam verabreicht werden.

 

Abschließend noch ein paar Anmerkungen zu den Begriffen Leistung und Schönheit sowie Zuchtbuch. Leistung sollte eigentlich als Sammelbegriff für Vitalität, Fruchtbarkeit und Frohwüchsigkeit gekoppelt mit einem starken Immunsystem stehen. Dieses Leistungspaket in den Hintergrund zu verdrängen, nur um der Schönheit zu dienen, würde sich ganz sicher später einmal rächen. Nur solchen Eltern, die höchsten Ansprüchen in jeder Hinsicht genügen, sei der Vorzug gegeben, ihren Erbwert unter Beweis zu stellen. Hier bietet sich am besten das Zuchtbuch an, in dem wir unsere Notizen und Aufschreibungen festhalten

Erst dann wenn wir möglichst viele Unterlagen und Aufzeichnungen bezüglich der Eltern, Großeltern und Geschwister eines Tieres und seinen eigenen Nachkommen besitzen, können wir uns ein Bild davon machen, in wieweit ein Tier als durchgezüchtet gelten kann und seine Erbanlagen entsprechend dominant weiter gibt. Nicht der einmalige Blender, der bei einer Ausstellung eine hohe Bewertung erhalten hat, ist unser Zuchtziel, sondern der vollkommen gleichmäßige, durchgezüchtete Stamm. Er bildet sozusagen das höchste Kapital eines Züchters. Er ist sein kostbarster besitz, oft das Ergebnis eines langen Züchterlebens.

Liebe Zuchtfreunde, ich wünsche Euch allen eine glückliche Hand in der Zucht und viel Freude an Eueren Tieren

Udo Güßbacher