Der Sonderverein

 

 

Es war das Jahr 1956 als sich die Perlhuhnzüchter dem 1907 gegründeten Sonderverein der Putenzüchter anschlossen. Seither heißt der Zusammenschluss Sonderverein Deutscher Puten und Perlhuhnzüchter 1907. Innerhalb des Vereins bilden die Perlhuhnzüchter aber keine separate Gruppierung, sondern Puten- und Perlhuhnzüchter arbeiten und feiern stets gemeinsam. Allein schon deshalb, weil viele Mitglieder sowohl Puten als auch Perlhühner züchten.

 

Der Spruch „Kennst Du die Rasse, kennst Du die Züchter“ trifft auf die Perlhuhnzüchter nur bedingt zu. Denn Perlhuhnzüchter sind selten laut, schreien so gut wie nie und werden auch nur selten kopflos. Mit ihren Tieren haben sie jedoch gemeinsam, dass sie die Gemeinschaft schätzen und das Alleinsein schlecht vertragen.

 

Perlhühner sind sicher nicht für Jedermann und für jede Haltung geeignet. Wer aber eine besondere Tierart mit vielen ursprünglichen Verhaltensweisen sucht, wer auch noch eigenes fettarmes Fleisch und schmackhafte Eier wünscht, wer über geeignte Ausläufe verfügt, sollte es ruhig einmal mit dieser interessanten Geflügelart versuchen. Wir hoffen mit der Rasse des Jahres nicht nur mehr Züchter gewinnen zu können und Begeisterung für unsere Rasse zu wecken, sondern wünschen uns vor allem auch mehr Verständnis für eine oft stiefmütterlich behandelte Geflügelart.

 

Wenn Sie mehr wissen möchten, wenden Sie sich an den 1. Vorsitzenden des Sondervereins der Deutschen Puten- und Perlhuhnzüchter, Matthias Raapke, Drebenstedt 24, 38489 Jübar, Tel. 0170 5266 Mail: raapke_drebenstedt@t-online.de oder den Zuchtwart im Sonderverein, Ortwin Großmann, Am Grundgraben 7, 96476 Bad Rodach, Tel. 0174 9939624, Mail: webputer@gmx.de

 

 

 

Was blieb von der Wildform?

Typische Verhaltensweisen unserer Puten

 

Sie sind einige Wochen alt und schon beginnen die jungen Puten mit dem Schlagen eines Rades. Es ist ein eindrucksvoller Anblick, wenn die kleinen Angeber ihr imposantes Gehabe zeigen. Neben dem Auffächern der Schwanzfedern versuchen sie sich in kleinen Schaukämpfen. Der kleine Hahn nähert sich einem anderen Tier aus der Herde und beginnt mit dem Halsdrücken. Dies sind Verhaltensweisen, die bei erwachsenen Puten der Sicherung der Stellung in der Herde dienen und zur Balz gehören. Natürlich ist es bei den Putenküken spielerischer Natur. Im Alter von etwa zwölf Wochen werden die Kämpfe aber schon heftiger. Auffallend ist dabei, dass das Abstecken der Rangordnung zwischen Hähnen und Hennen getrennt stattfindet. Dies ist ein Relikt der Wildform, bei der sich die Wege der Hähne und Hennen nach einigen Monaten trennen und sie in Geschlechtergruppen zusammenleben. Bei unseren Putenhennen spielt die Rangordnung ebenso wie bei der Wildform kaum eine Rolle, nur selten spreizt eine ältere Henne den Schwanz und tut es den Hähnen im Radschlagen gleich. Beginnt bei den Hähnen das Prahlgehabe halten die Hennen unserer gemischten Herden gebührenden Abstand. Die Hähne, die sich prahlend gegenüberstehen, haben stets einen hochroten Kopf, die Fleischzapfen hängen lang herunter, die Flügel werden schlagbereit angehoben und der Schwanz zum Rad gefächert. So laufen sie aufeinander zu, umkreisen sich, drücken mit denHälsen. Die Spannung zwischen  den Hähnen wächst. Plötzlich springt einer der Hähne den anderen an und stößt ihm mit den Füßen vor die Brust. Nun  kommt auch der Schnabel ins Spiel. Die Kontrahenten versuchen sich, am Kopf zu packen. Hat ein Hahn das Fleisch am Kopf seines Gegners mit dem Schnabel erwischt, hält er es fest und versucht den Kopf nach unten zu drücken. Durch die Schnabelattacke kann es zu Verletzungen kommen. Der schwächere Puter versucht schließlich loszukommen, um zu flüchten. Nun ist es wichtig, dass er Platz hat, um auszuweichen, denn der Stärkere will seinen Triumph auskosten und verfolgt ihn eine Weile. Kann er ihn stellen, hagelt es Schnabelhiebe.

Zurück zu den Jungputen. Die Gruppe der Küken hat in den ersten Wochen und Monaten eine starke Bindung zueinander. Hat ein Tier den Kontakt verloren, stößt es helle Pieptöne aus, um auf sich aufmerksam zu machen. Entdeckt es die anderen Jungtiere, läuft es mit heftigem Flügelschlag, oft leicht abhebend, zu ihnen. Für die Alttiere, die auf der abgetrennten Wiese daneben unterwegs sind, interessiert sich das Jungtier nicht. Diese Beobachtung erstreckt sich auf Puten, die mit der Maschine gebrütet wurden. Bei der Naturbrut ist die Henne immer der ruhende Pol, zu dem es die Küken hinzieht. Diese werden von der Henne geführt und notfalls auch verteidigt. Sie macht sich sowie ein Küken aufgeregt piept, flugs auf die Suche nach ihm, um es zur Herde zurückzuführen, beziehungsweise alle anderen Jungtiere laufen ihr nach zum versprengten Küken. Bei der Suche nach dem verlorenen Küken oder bei Gefahr werden von der führenden Henne zunächst Warntöne abgegeben. Werden diese ignoriert, reagiert das Alttier mit dem Spreizen der Flügel und die Schwanzfedern werden aufgestellt. Spitzt sich die Lage zu, geht die Henne mit Flügelschlagen, Anspringen und Schnabelhieben zum Angriff über.

Was die Grünfutteraufnahme betrifft, sind Puten schon im Kükenalter an vielem interessiert. Vor allem Brennnesseln haben es ihnen angetan. Blattwerk und Samen werden gern genommen. Das typische Brennen, das den Pflanzen den Namen gab, merken Puten nur, wenn sie mit dem Fuß auf einen Brennnesselstiel treten. Dann beginnen sie, verdutzt nach unten schauend, wild mit dem Fuß zu schnicken. Viele Putenzüchter schwören darauf, den Küken schon in den ersten Tagen feingeschnittene Brennnesseln anzubieten. Man erzählt sich von schlechten Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, dass dieses kleingeschnittene Grün in den ersten Lebenswochen neben der damals handelsüblichen Kükengrütze – fein gebrochenem Mais - als alleiniges Futter angeboten wurde und die jungen Puten sich damit gut entwickelten. Sind Puten im jugendlichen Alter, ziehen sie wie die Alttiere bereits geschickt Grassamen von den Halmen. Der Halm wird dabei unten in den Schnabel genommen und mit einem langen Hals bis oben hin durchgezogen.

Was unsere Puten von ihren wilden Ahnen auch zurückbehalten haben, ist das ständige Laufen. Sie sind den ganzen Tag auf den Beinen und in Bewegung.Legen die Puten kurze Ruhephasen ein, dann geschieht dies meist stehend, selten sitzen sie. Wird es dämmerig suchen die flugfähige Hähne und Hennen Sitzmöglichkeiten in der Höhe zum Aufbaumen. Putenhennen, die Küken führen, suchen wie ihre Ahnen in den Weiten Amerikas Deckung und Schutz am Boden.  Die Nachzucht wird gehudert, bis die Jungtiere auch Aufbaumen können. Auch das Baden im Sand haben unsere Hausputen keineswegs verlernt. Vor allem in den Sommermonaten suchen sie wie die Wildform in der Mittagszeit nach Mulden. Beliebt sind solche im Schatten unter Bäumen und Sträuchern. Die Tiere setzen sich in die Vertiefung, werfen mit dem Schnabel Staub über den Körper, schütteln das Gefieder, drehen sich dabei und wirbeln mit den Flügeln Staub auf. Die Beine bewegen sich drehend zur Seite, lockern so weiteren Boden auf. Was die Reinigung des Gefieders anbelangt, so knabbern die Tiere im Staubbad zwischen einzelnen Federschäften und ziehen die Federn durch den Schnabel, um diese so zu säubern. Übrigens: Dabei ausfallende Federn werden achtlos liegengelassen. Von Federfressen kann nicht berichtet werden. Dies ist eine Erscheinung der Intensivhaltung, die wir Geflügelzüchter nicht kennen. Wer meint, dass die Tiere bei ihrem Staubbad auch nur einen Moment unaufmerksam sind, der täuscht sich. Jede Bewegung in der Umgebung, vor allem aber am Himmel, wird bereits von den Küken genau registriert. Mit langem Hals und einem Auge nach oben gerichtet, wird jeder Vogel und jedes Flugzeug verfolgt und die Beobachtung mit hohen einem Pfeifen ähnelnden Tönen an die Artgenossen weitergegeben. Dieses Verhalten können sich Geflügelzüchter zunutze machen: Puten, die sich im gemeinsamen Auslauf gut mit Hühnern verstehen, warnen das Hühnervolk frühzeitig vor etwaigen Gefahren aus der Luft. Die Beobachtung zeigt, dass Hühner auf das Warnen der Puten erschreckt reagieren und sofort Plätze mit guter Deckung unter Büschen, dicht am Zaun oder den Stall aufsuchen. Die Puten selbst ergreifen ab einem Alter von etwa zwei Monaten bei Gefahr von oben nicht mehr die Flucht. Gespannt beobachten sie, was sich am Himmel tut. Hähne treten oft auf eine freie Fläche heraus, was Greifvögeln offensichtlich Respekt abverlangt und sie abdrehen lässt. So mutig Puten in solchen Situationen sind, so blind verhalten sie sich, wenn sie erschrecken. Laufend und fliegend flüchten sie, rennen in Zäune oder fliegen unkontrolliert in alle Richtungen.

 

Sind die jungen Puten herangewachsen, gliedern sie sich nahezu unkompliziert in die Herde der Alttiere ein. Nach wenigen Stunden ist die Rangordnung abgesteckt, die noch zuvor herrschende Aufregung vorüber. Im Spätherbst und Winter leben die Tiere nebeneinander, ohne großesInteresse am anderen Geschlechtsgenossen zu finden. Das ändert sich, wenn die Sonne wieder am Himmel steigt. Es beginnt meist im März – sofern nicht mit Licht früher das Frühjahr simuliert wird - die Balz mit dem bei Hähnen und Hennen artentypischen Geschlechtsverhalten. Zunächst machen die Herren unter sich aus, wer bei den Hennen den Vortritt hat, was nach meinen über Jahrzehnte währenden Beobachtungen auch von den unterlegenen Geschlechtsgenossen respektiert wird. Der, nennen wir ihn Haupthahn, marschiert stolz auf und ab, stellt das Gefieder auf, schlägt Rad, kollert, der Kropf füllt sich mit Luft, die pustend wieder entweicht. Ist eine der Hennen paarungsbereit, sondert sie sich von den anderen ab und nähert sich dem Gatten. Sie läuft langsam vor ihm hin und her, kommt dabei immer näher, was aussieht, als ob sie ihn umtanzt, und setzt sich vor ihm mit hocherhobenem Kopf hin. Der Hahn steigt auf und trampelt auf ihrem Rücken und den Schwingen herum. Schließlich erfolgt die Kopulation. Ein ganzes Gelege und nicht selten auch ein Nachgelege – je nach Zeitspanne bis zur wiederholten Eiablage - sind befruchtet. Diese Erkenntnis nutzten die Menschen in schlechteren Zeiten. Hier komme ich noch einmal auf die Nachkriegsjahre und den Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Der Truthahn war an Weihnachten als leckerer Braten auf dem Tisch der Familie gelandet und die Henne wurde im Frühjahr in einen Jutesack gepackt zum verbliebenen Truthahn im Ort gebracht. Es reichte die Henne vor ihm auf den Boden zu drücken und schon stieg er auf, um die Befruchtung zu vollenden.

 

Auf ein Problem muss allerdings aufmerksam gemacht werden:

Da die Hähne je nach Rasse ein stolzes Gewicht aufweisen und die Sporen sehr lang und spitz sein können, sollte man auf diese ein Auge haben.
Mit den Sporen können die Hähne die Henne erheblich verletzen. Deshalb ist es ratsam, zu spitzen Sporen etwas an Gefährlichkeit zu nehmen. Bei jungen Hähnen ist es selten notwendig einzugreifen, denn diese haben noch keine allzuspitzen Sporen. Was den Tretakt anbelangt, sind diese eher noch tollpatschig und trampeln schon mal neben der Henne.

Kennt man das Verhalten einzelner Geflügelarten, in diesem Fall der Puten, kann man daraus als Züchter nützliche Schlüsse ziehen. Dies gilt für die Gestaltung des Lebensraums der Tiere, deren Fütterung, Haltung, Sexualverhalten, die Brut und die Aufzucht. Wendet man sein Wissen an, ist es eine Bereicherung, wenn man Puten übers Jahr beobachtet und seine Freude an dieser Geflügelart hat.

 

Peter Jahn

Veröffentlicht in Geflügelzeitung 3/2015

Perlhühner die "Rasse des Jahres 2014 im BDRG"

 
Die Aktion „Rasse des Jahres“ des BDRG bietet 2014 Gelegenheit, einmal eine wenig beachtete Geflügelart in den Mittepunkt der Rassegeflügelzucht zu stellen. Bei kleinen Schauen werden sie mitunter gern als verwünschte Schreihälse bezeichnet. Auf großen Schauen gehören sie wegen ihres Platzbedarfs und ihres unruhigen Wesens ebenso nicht zu den besonderen Lieblingen. Eigentlich könnte man Perlhühner als die Stiefkinder der Rassegeflügelzucht bezeichnen. Dabei ist die Unbeliebtheit eher auf Vorurteile und Unkenntnis dieser Geflügelart als auf Tatsachen zurückzuführen. Dies beginnt bereits damit, dass vielfach Kenntnisse von Hühnern auf Perlhühner übertragen werden und man einfach davon ausgeht, dass Haltung, Verhalten oder Brutdauer bei Perlhühnern gleich ist. Perlhühner sind jedoch keine Hühner! Sie unterscheiden sich äußerlich von Hühnern, schon dadurch, dass sie keinerlei Sporenbildung zeigen. Auf dem Schädel tragen sie keinen fleischigen Kamm, sondern einen knöchernen Helm. Die Kehllappen sind anders als bei Hühnern nicht biegsam und zart, sondern durch dicke Wachsschichten steif. Sie sollen beim Hahn bogenförmig ausgestellt sein, bei der Henne festanliegend. Kopf und 1/3 des Halses sind unbefiedert. Lediglich auf dem Hinterhals stehen einige schwarze Borstenfedern senkrecht in die Höhe. Jede Feder ist gekennzeichnet durch weiße Perlen, wobei die auf Rücken und Schwanz mit schwarzen Einfassungen versehen sind. Dagegen präsentieren sich die Perlen an Bauch und Flanken ohne Umrandung. Lediglich die Handschwingen sind eher gestreift.

Geschichte des Perlhuhns

 

Die erste geschichtliche Erwähnung der Perlhühner finden wir in der griechischen Sagenwelt. Prinz Meleagers aus Kalydonien war bei einer Wildschweinjagd ums Leben gekommen. Darüber waren seine Schwestern zutiefst bestürzt und vergossen unzählige Tränen. Aus Mitleid verwandelten die Götter die Schwestern in Vögel. Da diese auch als Vögel nicht aufhörten zu weinen, verwandelten sich die Tränen in Perlen und blieben im Gefieder hängen. Soweit die griechische Sage. Der römische Schriftseller Plinius berichtet, dass tatsächlich am so genannten Grabmal des Meleager Vögel mit schiefergrauen Gefieder und perlenartigen Tropfen gehalten wurden. Aus dieser Geschichte erhielt das Perlhuhn auch bei seiner wissenschaftlichen Erstbeschreibung 1758 von Line den Namen Numida meleagris.

 

Rechnet man die Japanische Wachtel nicht mit, so ist das Perlhuhn das jüngste Hausgeflügel, und das einzige Haustier, das der Afrikanische Kontinent dem menschlichen Nutztierbestand beigesteuert hat. Den Römern war es bereits gut bekannt. Sie schätzten es sowohl als Opfertier für ihre Götter als auch als fettarme Speise. Zu Zeiten des römisches Schriftstellers Plinius (+ 79 n. C.) wurde es bereits in großen Beständen auf landwirtschaftlichen Gütern gehalten und gezüchtet. Jedoch geht man allgemein heute davon aus, dass das Perlhuhn nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches im 6 Jahrhundert über die nächsten Jahrhunderte wieder aus Europa verschwand. Erst portugiesische Seefahrer führten es im 15 Jahrhundert wahrscheinlich erneut nach Europa ein.

 

Aufgrund der kurzen Domestikationsphase von 500 Jahren (im Vergleich dazu: Gans ca. 4000 Jahre Huhn ca. 6000 Jahre) unterblieb beim Perlhuhn eine Rassenaufspaltung. Dafür zeigt diese Geflügelart noch sehr viele ursprüngliche Verhaltensweisen

 

Vom wilden Perlhuhn

 

Die Stammform unserer Hausperlhühner, das Helmperlhuhn, lebt in den trockenen Gebieten Afrikas in Trupps von bis zu 100 Tieren. Sie bevorzugen offenes, mit Sträuchern und Bäumen bewachsenes Gelände. Hier durchstreifen sie tagsüber die grasbewachsenen Ebenen auf der Suche nach Sämereien und Insekten. Nachts fliegen sie zum Schlafen in die Savannenbäume. Vielfach sieht man in den Eingeborenendörfern, wo sie in halbwildem Zustand gehalten werden, Perlhühner auf den Hüttendächern übernachten. Die Einheimischen wissen sowohl ihr Fleisch als auch die Eier sehr zu schätzen.

 

Gegen Ende spalten sich die Flüge auf und es finden sich einzelne Paare zusammen, die ein Brutrevier beziehen, aber mit den Nachbarpaaren auf Stimmfühlung bleiben. Die Balz der Perlhühner geht leise und unauffällig von statten. Der Hahn umwirbt die Henne durch umtänzeln, wobei er sich auf die Zehenspitzen stellt und die Flügel segelartig anhebt. Der Tretakt dauert nur ca. 5 Sekunden

 

Die Brutzeit beträgt 23 bis 26 Tage. Nach dem Schlupf führen beide Eltern die Kükenschar, wobei sie sich sehr bald mit anderen Nachbarnpaaren vergesellschaften. Zum größten Teil blieben diese Verhaltensweisen auch bei unseren domestizierten Perlhühnern erhalten.

 

Unsere Hausperlhühner

 

Daher ist es nach wie vor falsch, einen Hahn und 10 Hennen halten zu wollen, wie beim Haushuhn üblich. Ein Hahn fühlt sich nur mit einer bis zwei Hennen verbunden. Alle anderen werden kaum oder nicht beachtet. Genau aus diesem Grunde haben Perlhühner auch mit ihrem größten Vorurteil dem ständigen Einsatz ihrer als nervtötend laut empfundenen Stimme zu kämpfen. Dies eigentlich nur, weil man sich kaum mit dem Sozialverhalten des Perlhuhns auseinandersetzte. Unverpaarte Hennen suchen ständig nach einem Hahn und lassen, besonders in der Abend- und Morgendämmerung ihren zweisilbigen Verlassenheitsruf erschallen, der wie ein langgezogenes „Gloockaaaaacht“ klingt (Manche Zeitgenossen vergleichen den Ton auch mit einem rostigen Pumpenschwengel). Hähne dagegen haben einen dreisilbigen Revierruf, der wie „tschekerek-tschekerek“ klingt. Dies ist auch das beste Unterscheidungsmerkmal der beiden Geschlechter. Die Hähne sind untereinander – mit einer kurzen Ausnahme um die Brutzeit – sehr verträglich..

 

 

Geschlechtererkennung:

 

Sowohl für Züchter und Halter als auch für den amtierenden Zuchtrichter stellt es mitunter ein Problem dar, Perlhahn und Perlhenne zu unterschieden. Die beigefügte Tabelle soll hier Abhilfe schaffen.

 

 

 

Hahn:

·            Helm breit angesetzt, steil

·            Nasenlöcher aufspringend

·            Körper kurz wirkend

·            Ruf dreisilbig „tscheckereckeck

·            Kehllappen gerollt

 

Henne:

 

·            Helm flach angesetzt, niedriger, vom Ansatz aus nach hinten gerichtet

·            weiße Halshaut weiter herabreichend

·            waagrechte Haltung

·            Körper lang wirkend

·            Ruf zweisilbig „glockaacht“

·            Kehllappen anliegend

 

 

 

Farbvariationen

 

 

Erste Farbvariationen werden bereits von den Römischen Schriftstellern erwähnt. Unter freilebenden Perlhühnern werden gelegentlich weiße (keine Albinos) und aschgraue Tiere beschrieben. Auch Düring kennt 1920 diese drei Farbenschläge. Um 1930 fielen bei Professor Ghigi in Italien neue Mutationen, bei denen die Perlen zurückgedrängt waren. Lediglich an den Flanken und im Schulterbereich waren einige grob geperlte Federn vorhanden. Die Tiere wirkten sehr dunkel mit einem starken violetten Anflug. Da Herr Ghigi und andere Züchter Gefallen an dieser neuen Mutation fanden, wurde sie weitergezüchtet und durch Verpaarung mit den Aschgrauen Perlhühnern entstand ein weiterer Farbschlag. 1968 wurden die reduzierten Perlhühner in den Deutschen Standard aufgenommen. Gegenwärtig sind 9 Farbeschläge anerkannt.

 

 

Unsere Farbenschläge

 

Blau (wildfarbig):

 

 Im Gesamteindruck wirkt das Gefieder stahlgrau mit vielen weißen Perlen. Die einzelnen Federn sind jedoch eher indigoblau. Es ist unser verbreitetester Farbenschlag. Die leuchtende Grundfarbe bietet einen schönen Kontrast zu den vielen weißen Perlen. Daher ist auch stumpfes oder bräunliches Gefieder ein grober Fehler. Die blauen Perlhühner stehen hoch im Zuchtstand, was zahlreiche Höchstnoten auf Bundesschauen zeigen.

 

 

Perlgrau: (hellwildfarbig):

 

Hier handelt es sich um eine Aufhellung (Verdünnung) der Grundfarbe zu einem hellen aschgrau. Die weißen Perlen sind erhalten geblieben und wirken durch die Farbaufhellung besonders an den Flanken und im Rücken größer als bei den Blauen. Die Perlgrauen sind fast genauso lange wie die wildfarbigen bekannt, werden jedoch bei Weitem nicht ganz so häufig gehalten und gezüchtet. Mit der auf den Bundes- und Sonderschauen gezeigten Qualität kann man sehr zufrieden sein. Die Perlgrauen haben nicht allzu viele, doch beständige und rührige Züchter, die uns noch lange erhalten bleiben mögen.

 

 

Weiß:

 

Die Grundfarbe besteht aus einem sehr hellen Rahm weiß, auf dem sich die silberweißen Perlen deutlich absetzen. Hierzu bieten die roten Kehllappen, der rötliche Helm und die orangefarbenen Läufe einen aparten Kontrast. Die Grundfarbe ist hier jedoch nicht verdünnt wie bei den Perlgrauen, sondern ganz ausgefallen, was bestimmte Rückpaarungen beweisen. Der weiße Farbschlag liegt derzeit in den Händen von nicht einmal einer Handvoll Züchtern Sie bringen jedoch dankenswerter Weise beständig Tiere bester Güte in die Käfige bringen. Der Ausfall auch nur einer Zucht würde jedoch derzeit für diesen Farbenschlag katastrophal sein.

 

 

Chamois mit Perlung:

 

Genetisch handelt es sich bei diesem Farbenschlag, um die gleichen Erbanlagen wie bei unseren Weißen. Die Grundfarbe ist ausgefallen und lediglich der sogenannte Schleier bringt noch etwas Farbe auf die Feder. Bei den Chamois wurde die Schleierfarbe Richtung mehr Farbintensität selektiert. Während sie bei den Weißen möglichst wenig von dem gelblichen Farbstoff aufweist, sollen die Chamoisfarbenen möglichst viel davon enthalten. Dadurch sind auch die Läufe nicht leuchtend orange sondern gräulich angelaufen. Reine Chamoisfarbene sind sehr selten und gegenwärtig existieren wohl nicht mehr als 5 Zuchten. Chamoisfarbene Tiere tauchen nur sporadisch auf Schauen auf, wobei die ausgestellten Tiere oft Mischformen zwischen dem chamoisfarbenen und dem weißen Farbenschlag darstellen. Da ist noch viel Züchterarbeit und auch Preisrichtergefühl erforderlich.

 

 

Lavendelblau mit Perlung:

 

Der äußerst seltene Farbenschlag war über Jahrzehnte völlig verschwunden. Erst seit zehn Jahren existieren wieder Tiere dieses hellsten blauen Farbenschlages. Auch hier ist die Grundfarbe völlig ausgefallen. Nur die Schleierfarbe, die hier nicht gelb, sondern ganz zart hellblau ist, ziert das Gefieder. Über den ganzen weißen Körper zieht sich eine Art eisblauer Schleier, der auf Schwingen und Schwanz am intensivsten ist. Gegenwärtig beschäftigen sich wohl nicht mehr als drei Züchter mit diesem Farbenschlag, die in der kurzen Zeit des Wiedererzüchtens schon erfreuliche Fortschritte gemacht haben.

 

 

Violett (dunkelwildfarbig)

 

Der Farbenschlag heißt schlicht violett und nicht Violett mit reduzierter Perlung, wie leider in Katalogen häufig zu lesen. Genetisch handelt es sich um den blauen Farbenschlag, bei dem die Perlung zurückgedrängt wurde, gleichzeitig die Intensität der Grundfarbe aber erhalten geblieben ist. Dadurch kommt die bläuliche Schleierfarbe intensiver zum Tragen und wirkt auf den Betrachter violett. Bevorzugt wird ein leuchtender violetter Schleier ohne Anteil von Chamois. Die Violetten Perlhühner wurden 1969 in den Standard aufgenommen, fristeten aber die ersten 20 Jahre eher ein Schattendasein. Gegenwärtig werden sie zwar nicht jedes Jahr gezeigt, kommen jedoch in regelmäßigen Abständen in die Käfige. In den 90er Jahren hatten die Violetten Qualitätsmäßig ihren Höhenflug. Durch Wegfall einiger bekannter Zuchten brach dieser schönen Farbschlag sehr ein.

 

 

Azur:

 

Genaugenommen könnte man Tiere dieses Farbschlages auch als „helldunkelwildfarbig“ bezeichnen. Die Perlung ist zurückgedrängt und die Grundfarbe verdünnt. Ein intensiver blauer Schleier überzieht den gesamten Tierkörper in der Farbe drohender Gewitterwolken. Ebenfalls in den Standard von 1969 aufgenommen, sah man azurblaue Tiere bis Anfang der 1990er Jahre sehr selten. Nur wenige Züchter beschäftigten sich überhaupt mit diesem Farbschlag. Durch den Tod ihrer Züchter gingen einige Zuchten verloren, andere hielten ihre Tiere unter Verschluss, sodass der Farbschlag um 1985 fast verschwunden war. Heute hat er einige wenige, aber treue Züchter gefunden, die schon mehrfach Tiere mit der Höchstnote zeigten.

 

 

Lavendelblau mit reduzierter Perlung

 

Über viele Jahrzehnte war dieser Farbschlag auf Bundes- und Sonderschauen nicht sichtbar gewesen und existierte wohl nur noch in Beschreibungen. Erst ab 2006 beschäftigten sich wieder zwei Züchter mit ihm. Seine Wiedererzüchtung ist nicht ganz einfach, da bei ihm alle Faktoren wie Reduzierung der Perlen, Ausfall der Grundfarbe und Blauviolette Schleierfarbe in Reinerbigkeit vorhanden sein müssen. Die reinerbigen Tiere unter einander verpaart neigen jedoch schnell zu Größenverlusten. Der Farbenschlag hat in den letzten Jahren aber erfreuliche Fortschritte gemacht und 2013 gab es verdientermaßen die erste Höchstnote auf einer Sonderschau. Leider gibt es bis heute nicht mehr als drei Zuchten von diesen attraktiven Tieren.

 

 

Chamois mit reduzierter Perlung:

 

Ohne Zweifel handelt es sich hier um den seltensten und auch züchterisch schwierigsten Farbenschlag. Die Perlung ist reduziert, die Grundfarbe ausgefallen und über den gesamten Körper zieht sich ein hellgelber Schleier, der an Flanken und Rücken am intensivsten ist. Studiert man die Kataloge der Bundesschauen, so tauchen Tiere dieser Färbe im Durchschnitt alle 10 Jahre auf, um dann wieder für die nächsten Jahre in der Versenkung zu verschwinden. Leider konnte der Farbschlag bis heute keine beständigen Liebhaber gewinnen. Die Schwierigkeit in der Zucht besteht vor allem im Farbton des Schleiers, der schnell dazu neigt zu bräunlich zu werden. Gewünscht wird ein fahler hellgelber oder sandfarbiger Überzug. Besonders hochwertige Tiere wirken im Rücken champagnerfarbig. Diesem Farbenschlag wäre wirklich ein beständiger Züchterkreis zu wünschen.

Rund um die Putenzucht von Udo Güßbacher

Ich möchte Ihnen heute etwas näher bringen und vielleicht einige Vorurteile oder auch Ungewissheit ins rechte Licht rücken.

 

Zunächst etwas über zur Herkunft:

Die Puten stammen aus Nord- und Mittelamerika. Bereits kurz nach der Entdeckung amerikas 1492 kamen um 1520 herum durch spanische Seeleute Puten oder auch Truthühner genannt, nach Spanien, England, Frankreich und Deutschland. Leider hat die Putenzucht in den ersten 350 Jahren nach ihrem Erscheinen in Deutschland nicht die Anerkennung und Verbreitung gefunden, wie dies in anderen europäischen Länern der Fall war. Erst Ende des 19 Jahrhundert nahm man sich in verstärktem Maße der Putenzucht an. Nach der Gründung des Sondervereins im Jahre 1907 nahm die Bedeutung der Truthuhnzucht ständig zu. 
In erster Linie waren es die Besitzer von Rittergütern, Großtutshöfen, landwirtschaftlichen Großgehöften, aber auch angesehene Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel, die sich den so genannten "Neuweltvögeln" annahmen, Hier wiederum war es vornehmlich ein Privileg der Frauen, sich am Hofe um das Geflügel zu kümmern. Man sah es als Prestige an, sich in dieser gehobenen Gesellschaft Federvieh leisten zu können, das nicht alltäglich ist. Nach dem ersten Weltkrieg dann kamen allmählich immer mehr Züchter, die sich der Putenzucht widmeten.

Eine grundlegende Punkte sind hier von großer Wichtigkeit

 

1. Platzverhältnisse

Die Pute ist von Natur aus ein Weide- und Steppenvogel. Sie kann jedoch auch gerade von uns Hobbyzüchtern in eingeschränkter Stückzahl in begrenzten Ausläufen gehalten werden.

Es ist ausreichend, wenn man für ein Tier einen Grünauslauf von 15 bis 20 Quadratmeter zugrunde legt. Wenn mir also 500 Quadratmeter zur Verfügung stehen, kann ich getrost einen Stamm von 1,2 bis 1,3 Alttieren mit 20 bis 25 Jungtieren aufziehen. Wichtig zu wissen ist, dass eine Pute nicht scharrt wie ein Huhn, sondern Grasspitzen abpickt. Ein Auslauf wird dann den ganzen Sommer über bewachsen sein. Ein mit Obstbäumen bewachsener Auslauf wird von den Puten sehr geschätzt, zum einen der Deckung wegen und des Schattens im Sommer, zum andern fressen sie gerne das Fallobst. 
Als Stallfläche rechnet man auf 1 Quadratmeter ein ausgewachsenes Tier, dazu einen Sitzstangenplatz von ca. 50 cm. Die Sitzstangen müssen auf einer Ebene liegen. Nicht wie man oft in Hühnerställen sieht, dass sie nach oben gestaffelt sind. Eine jede Pute will immer noch höher hinaus als die andere und somit käme es auf höchstgelegenen Stangen zu Streitigkeiten.

 

2. Der Zuchtstamm (Paarungsverhältnis und Befruchtung)

Im Dezember oder Januar wird der Zuchtstamm zusammengestellt. Je nach gewicht des Farbenschlages kann man einem Junghahn 10 bis 15 zuordnen. Es ist darauf zu achten, dass die Körpergewichte der Geschlechter nicht allzu weit auseinander liegen. Falsch ist es, zu glauben, dass ich mit einem übergewichtigen Hahn und einer schwachen Henne das Idealgewicht in der Nachzucht bekomme. Die schwache 0,1 kann beim Tretakt so schwer verletzt werden, dess es zu gar keiner Befruchtung kommt.

Die Bestrebungen in der Zucht gehen dahin, dass ich kräftigen Hennen einen nicht zu schweren, jedoch formich und in den Rassemerkmalen guten Hahn zusetze.
Nach einer erfolgreichen Paarung, die einmalig vollzogen wird, legt eine Pute bis zum 34. Tag befruchtete Eier. Brütet sie dann noch nicht, so muss sie nochmals nachgetreten werden. Puten verlegen sehr gerne. Man kann ihnen hier twas zuvor kommen, indem man im Auslauf oder auch im Stall etwas mit Zweigen getranrte Nester baut und mit einem Gipsei versieht. Eine Pute legt grundsätzlich immer in dasselbe Nest oder dem gleichen Platz.

 

3. Die Brut

Eiern Pute, die nicht gerade auf Legeleistung getrimmt wird, wie in den Großzuchtbetrieben, wird nach Ablegen ihres Eierstocks von ca. 15-25 Eiern selbst brüten. Das ist für den Züchter die einfachste Art. Puteneier können aber neauso gut im Apparat wie Hühnereier gebrütet werden.
Es ist auch möglich eine Pute zum Brüten zu zwingen. Eine Zwangsbrut ist jedoch nur vor der der Legeperiode, also ungefähr bis Ende Februar möglich, solange sich der Eierstock noch nicht entwickelt. Zur Zwangsbrut bevorzugt man in der Regel nur Althennen. Mit Jungputen ist der Erfolg wesentlich geringer, da der Eierstock meistens schon "angelaufen"ist. Das Nest baut man ebenerdigund dasst es mit Steinen ein. Dann rupft man die Pute am Bauch etwas nackt, reibt sie leich mit Schnaps oder Spiritus sein und setzt sie in das Nest mit angewärmten Gipseiern. Jetzt stülpt man einen Korb oder Kiste darüber und zwar so, dass die niedergedrückte Pute nicht berührt wird, andererseits aber auch nicht voll aus den Beinen heraus kann. Das Nest, das in einem ruhigen, etaws abgedunkelten Raum sein soll, wird dann 2 Tage nicht angerührt. Danach lässt man die Pute ca 15 Minuten vom Nest, reinigt es und setzt sie, ohne sie herumzujagen wieder darauf. Nach 3 bis 4 Tagen, bei jetztz täglicher Abnahme geht die Henne von selbst aufs Nest zurück. Nun kann die Henne angesetzt werden.
Es ist von großen Vorteil, wenn das Tier jeden Tag etwas 15 Minuten abgehoben, das Gelege kontrolliert und wieder auf das Nest gelassen wird. Auch ältere Hähne lassen sich nach der Balzzeit so ende mai zur Brut zwingen. Die Brutdauer beträgt 28 Tage. Die Eier werden wie Bruteier von Hühnern behandelt.

 

4. Die Kükenaufzucht

Das einfachste für einen Züchter in unseren Ausmaßen ist die natürliche Kükenaufzucht und das Führen mit einer bewährten Henne. Eine Pute kann ca. 20 Küken gut führen. Um Verluste in den ersten Tagen zu vermeiden, hält man die gegen Nässe empfindlichen Putenküken bei genügen Bewegungsfreiheit in einem trockenen Raum. Nach 2 Wochen lässt man sie bei schönen Wetter hinaus, sobald das gras morgens trocken ist. Um zu vermeiden, dass die Putenglucke die Jungen zu weit vom Stall abführt, begrenzt man den Auslauf. Selbst dann, wenn man sicher ist, dass die Pute bei leichtem Regen ihre Küken gut deckt, sollte man seine züchterische Arbeit nicht unnötig in Gefahr bringen und die Tiere vor der 8 Woche nicht nass werden lassen. Was man hier in den ersten Wochen richtig macht, lohnt sich für spätere Entwicklung der Tiere. Bei Putenküken in den ersten Tagen viel wärmebedürftige sind als Hühnerküken. Von einer Anfangstemperatur von 38 bis 40 Crad absinken. Die Wärme muss etwa 5 bis 6 Wochen, je nach Witterung und Jahreszeit gegeben werden und soll nicht unter 18 Crad sinken. Trockener Stall, Frischluft, Sauerstoff usw. wie bei der Kükenaufzucht.

 

5 Fütterung

Die Pute ist von Natur aus ein  Grün- und Weichfutterfresser. Wenn im Kükenalter kein spezieller Putenstarter zur Verfügung steht, kann das gleiche Kükenkorn wie für Hühnerküken gefüttert werden. dazu ist die reichliche Zufütterung von Brennnessel für die Aufzucht furch nichts zu ersetzten; desgleichen die blühenden und samentragenden Brennesseln im Sommer und Herbst, wenn die Grasnarbe in kleineren Ausläufen nachlässst.

Im Alter von 8 Wochen stellt man dann auf Junghennenkorn um und mischt bereits etwas Körnerfutter bei. Von Küken- und Junghennenmehl ist abzuraten, da dies in der Hauptsache die Ursache für abgehackte Nasenzapfen ist. Die Tiere saufen gehen dann ans Futter, der Nasenzapfen hängt voll Mehl, andere hacken das Mehl ab und wenn es blutet, ist der Nasenzapfen innerhalb kürzester Zeit weg und somit fehlt ein typisches Rassemerkmal. Den Sommer über fressen die Puten auch alle im Haus anfallenden Weichabfälle.

Vor der letzten Mauser wird das Futter dann etwas schwerer und man kann je nach Farbenschlag die Tiere durch Beifutter von Mais, Erbsen, Eicheln, Sonnenmlumen undkleinen Gaben von Lebertran in die gwünschte Schauverfassung bringen. Zur Zuchtzeit wird auf Hafer, Gerste und etwas Eiweßfutter umgestellt.

 

6. Geschlechtererkennung

Im Alter von 12 bis 14 Wochen werden die Tiere beringt. Neben den allgemeinen körperlichen Unterschieden wie Größe, Stärke der Beine und des Kopfes kann man bei Hähnen, den Fleischzapfen über den Schnabel lang ziehen, was bei hennen nicht möglich ist. Ferner ist der Kopf des Hahnes unbefiedert, während die Henne über dem Scheitel eine spärliche Befiederung zeigt. Ferner trägt der Junghahn unter dem Brustgefieder bereits den Ansatz zum Haarbüschel. DenkenSie daran, dass es auch Hennen gibt, die ein Haarbüschel ahben können. Sollten sie doch beim Beringen aufgrund verschiedener Altersgruppen am Geschlecht zweifeln, so opfern sie noch einen zweiten Ring und entfernen bei 100 %iger Sicherheit den überflüssigen Ring. Es kommt dann nicht vor, dass ausgerechnet die kräftigste und schönste Henne zur Schau einen Hahnenring hat.

 

7. Krankheiten

Neben Neben den häufigsten Geflügelkrankenheiten wie Pullorumseuche, Luftröhrenerkrankungen, Bitaminmangelerscheinungen usw. können Puten zusätzlich von der gefürchteten Schwarzkopfkrankheit befallen werden. Die Schwarzkopfkrankheit (Blackhead) ist eine ansteckendende Blinddarm-Leberentzündung, die vorwiegend im Entwicklungsalter von 4 bist 16 Wochen auftritt. Der Erreger vermag in die Eier der Binddarmwürmer einzudringen und ist daher im Schutz dieser Eikapsel gegen äußere Einflüsse sehr resistent. Wegen der Ansteckungsgefahr sollen auf keinen Fall Hühner und Puten zusammengehalten werden, ebenso kein Wassergeflügel wegen der Nässe.

Die Krankheitszeichen sind Mattigkeit, mangelnde Fresslust, sträubendes Gefieder, flügelhängen, schleimiger  und später schwefelgeber Kot. Die Kopfhaut verfärbt scih in manchen Fällen dunkel bis Blauschwarz.

Hier gab es hervorragende Medikamente, um diese Krankheit in den Griff zu bekommen. Leider wurden diese Medikamente im Zuge des neuen Arzneimittelgesetztes vom Markt genommen und selbst in den Putenmastanstalten werden von vornherein 30%iger Verlust einkalkuliert. Für den Züchter bedeutet das, dass er jetzt noch wachsamer sein muss, befallene Tiere bereits im Frühstadium erkennt und sie von den gesunden abtrennt.

Anschließend noch ein paar anmerkungen zu den Begriffen Lestung und Schönheit sowie Zuchtbuch. leistung sollte eigentlich als Sammelbegriff für Vitalität, Fruchtbarkeit und Frohwüchsigkeit gekoppelt mit einem starken Immunsystem stehe. Dieses Leistungspaket in den Hintergrund zu verdrängen, nur um der Schönheit zu dienen, würde sich ganz sicher später einmal rächen. Nur solchen Eltern, die höchsten Ansprüchen in jeder Hinsicht geügen, sei der Vorzug gegeben, ihren Erbwert unter Beweis zu stellen. Hier bietet sich am bsten das Zuchtbuch an, in dem wir unsere Notizen und Aufschreibungen festhalten. Erst dann wenn wir möglichst viele Unterlgagen und Aufzeichnungen bezüglich der Eltern, Großeltern und Geschwister eines Tieres und seinen eigenen Nachkommen besitzen, können wir uns ein Bild davon machen, in wieweit ein Tier als durchgezüchtet gelten kann und seine Erbanlagen entsprechend dominant weiter gibt. Nicht der einmalige Blender, der bei einer Ausstellung eine hohe Bewertung erhalten hat, ist unser Zuchtziel, sondern der vollkommen gleichmäßige, durchgezüchtete Stamm. Er bildet sozusagen das höchste Kapital eines Züchters. Er ist sein kostbarster besitzt, oft das Ergebnis eines langen Züchterlebens.

Liebe Zuchtfreunde, ich wünsche Euch allen eine glückliche Hand in der Zucht und viel Freude an Eueren Tieren.

Ein kleiner Leitfaden Perlhuhnhaltung

von Ortwin Großmann

Obwohl Perlhühner schon seit mehreren Jahrhunderten domestiziert sind und an unser Klima angepasst, haben sie noch viele Eigenarten und Verhaltensweisen ihrer wildlebenden Verwandten beibehalten. Von Früh bis spät sind sie auf Nahrungssuche und durchstreifen bei freiem Auslauf weite Gebiete, wobei sie sich bis zu einem Kilometer von ihrem Heimatort entfernen. Sind sie es gewohnt abends Futter im Stall vorzufinden, dann kehren sie regelmäßig dorthin zurück.

An den Stall stellen Perlhühner keine großen Ansprüche, trocken und zugluftfrei sollte er sein und selbstverständlich raubzeugsicher. Bei genügend großem Auslauf ist eine Vergesellschaftung mit anderem Geflügel, trotz des etwas dominierenden Wesens des Perlhuhns relativ problemlos. Anfänger machen häufig den Fehler einen Hahn und mehrere Hennen, in Anlehnung an die Haushühner (sofern sie dies unterscheiden können) zu halten. Oft sind dann Klagen über das "ständige Schreien" der Perlhühner von diesen Haltern zu hören. Dabei ertönt nur von morgens bis abends der Verlassenheitsruf der Henne, die nach einem Hahn sucht. Denn gemäß ihren wilden Artgenossen möchten Perlhühner in der Paarungszeit am liebsten paarweise beieinander sein. Ein einzelnes Paar ruft dann aber trotzdem weiterhin gelegentlich nach seinen Artgenossen. Meine Erfahrung zeigt, dass ein Geschlechterverhältnis von etwa zwei Hähnen und drei Hennen am besten ist. Hier ist die Befruchtung nahezu 100%, trotz der beiden Hähne. Das ganze hat den Vorteil, dass ein Hahn nicht nur mit Wachehalten und Warnen beschäftigt ist und seine Kondition behält. Während der eine Hahn Wache hält, suchen der zweite Hahn und die Hennen nach Futter, später wird gewechselt. Um Perlhühner mit weniger Lautstärke zu halten, heißt daher die Devise "mehr ist weniger". Je größer die Gruppe, desto ruhiger werden die Tiere und desto weniger ist ein lautes Rufen zu vernehmen. Bei Gefahr, etwa bei Angriff aus der Luft durch einen Habicht erhebt sich dafür ein wahrlich ohrenbetäubender Lärm, der weithin hörbar ist, und den Züchter darauf aufmerksam macht, dass etwas nicht in Ordnung ist. Nach den Wünschen des Züchters lassen sich Perlhühner auch gut verpaaren, wenn man die gewünschten Partner etwa von Oktober bis Januar zusammenhält und ab Mitte Januar mit den anderen Gruppen vergesellschaftet. In einer großen Gruppe bildet sich dann unter den Hähnen eine Rangordnung aus. Die Paar- und Gruppenbindung hält bis in den Hochsommer oder Frühherbst an. Trotz dieser Paarbindung konnte ich Fremdbefruchtungen nicht selten beobachten. Bei unbeschränktem Auslauf macht sich die große Gruppe gemeinsam auf Nahrungssuche, wobei sich die kleineren Gruppen dann etwas absetzen aber immer auf Stimmfühlung mit den anderen Grüppchen bleiben. Ein Paar entfernt sich aber nie weit von einander, so dass man bei dieser Haltung leicht die Paarbindung erkennen kann.

Aus nachbarschaftlichen Gründen kann ich leider meinen Tieren während der Zuchtsaison keinen unbeschränkten Auslauf mehr gewähren. Gegenwärtig halte ich auf einer Fläche von 700 m² eine Zuchtgruppe von 8, 12 Tieren in vier Farbenschlägen, wobei die einzelnen Farbenschläge untereinander verpaart sind. Die Befruchtungsquote lag im Jahr 2000 bei 95%. Etwa im August vergesellschafte ich die Nachzucht mit den Alttieren, die dann unbeschränkten Freilauf erhalten. Es ist für mich immer wieder ein faszinierender Anblick, wenn nach der morgendlichen Öffnung des Stalles die aus ca. 80 Köpfen bestehende Gruppe zunächst in den alten Apfelbaum fliegt, um von dort aus laut gackernd zu ihrem Ausflug in die umliegenden Wiesen zu starten. Meist sind meine Tiere gegen Mittag zurück und warten ungeduldig vor dem Zaun, um wieder in ihr angestammtes Terrain zu gelangen. Obwohl sie täglich von selbst herausfliegen, lernen sie es doch nie von selbst auch wieder in die Umzäunung hinein zufliegen. Einmal hineingelassen verbringen sie meist den Rest des Tages im Gatter.


 

Die Geschlechtererkennung bei Perlhühner

von Ortwin Großmann

 

Der Helm des Hahnes ist gewöhnlich breiter angesetzt, geht erst etwas steil in die Höhe, bevor er in einer gekrümmten Spitze endet. Dagegen ist der Helm der Henne niedriger und geht vom Ansatz aus direkt schräg nach hinten. Auch zieht sich die weiße Halshaut bei der Henne gewöhnlich tiefer herab als beim Hahn.

 

Hahn

Der Stand der Henne ist gewöhnlich etwas waagrechter, wobei die Brust fleischiger wirkt als beim Hahn. Auch ist die Figur im Erscheinungsbild des Hahnes etwas kürzer. In der Rassegflügelzucht ist man bestrebt ein augenfälliges Geschlechtsmerkmal zu erzüchten. So sollen die Kehllappen beim Hahn gerollt sein und nach unten hängen, während sie bei der Henne glatt und anliegend nach hinten gehen sollen. Es fallen aber gegenwärtig in allen Farbenschlägen noch Tiere mit gegensätzlichen Merkmalen.

 

Henne

Die sicherste Geschlechterunterscheidung ist daher das Verhalten der Tiere und ihre Stimme. Im Spätherbst beginnen die stärksten Hähne in der Gruppe um die Hennen zu werben und ihre a-Stellung zu behaupten. Dabei ist das typische Anheben der Flügel, der auf die Zehenspitzen stellende Gang und das Herumtänzeln zu beobachten. Rangniedrigere Hähne zeigen dieses Verhalten jedoch nicht oder selten. Nimmt man aber einen ranghohen Hahn aus der Gruppe, so rückt ein niederer nach. Das allersicherste Kennzeichen zur Geschlechterunterscheidung ist jedoch die Stimme. Wird ein Tier von der Gruppe getrennt, so lässt es bald seinen Verlassenheitsruf erschallen, der bei der Henne zweisilbig ist und etwa mit "glock-aacht" wiedergegeben werden kann. Der Suchruf des Hahnes dagegen ist dem Warnruf ähnlich und lässt sich mit "tscheckereckeckgeck" umschreiben.

 

Die Brut und Aufzucht von Perlhühnern
von Ortwin Großmann

 

In unseren Breiten beginnen die Perlhennen je nach Wetterlage etwa Mitte März bis Ende April mit dem Legen. Die Eier sind länglich mit einer markanten Spitze, und etwas kleiner als Hühnereier, jedoch ausgezeichnet im Geschmack. Ob sie tatsächlich prozentual weniger Cholesterin enthalten, wie oft behauptet, konnte ich bisher in der Literatur nicht bestätigt finden. Ein höherer A- und B2-Vitamingehalt scheint dagegen nachgewiesen zu sein.

Auffällig ist die sehr dicke und harte Schale, die meist von hell bis mittelbrauner Färbung ist. Perlhennen verlegen gern ihre Eier, wobei sie während der Legeperiode auch gerne das Nest wechseln. Eine zweijährige Henne ist die beste Legerin, die von März bis Oktober nur wenige Tage aussetzt und es dabei auf ca. 120 Eier bringt. Haben die Tiere unbeschränkten oder großen Auslauf ,so suchen sie sich im Gelände selbst einen Platz. Dennoch kann man den Hennen im Stall Nester anbieten, diese sollten jedoch abgedunkelt werden, da Perlhennen gern versteckt bleiben. Auch bei großen Ausläufen, in denen sich die Hennen selbst ihre Nester suchen, legen oft mehrere Hennen in ein und dasselbe Nest. Nur selten bebrüten die Tiere bei uns das eigene Gelege. 

 

Trotzdem kann es in heißen Sommern ab Ende Juli bis Anfang September zu Naturbruten kommen, wenn die Hennen ausreichend Platz haben. Im Jahr 1998 schritten Mitte August bei mir gleich vier Hennen zur Brut. Alle leider ohne Erfolg.
Am besten ist es, die Perlhuhneier einer Hühnerglucke oder einer Truthenne unterzulegen. Die besten Erfolge erzielte ich jedoch mit Hochbrutflugenten. Trotzdem kann man oft nicht auf die Kunstbrut verzichten zumal man für Ausstellungen sehr früh Küken benötigt. Die Temperatur der Brutmaschine muss jedoch um ca. ½ °C höher eingestellt werden als bei Hühnern. Sehr wichtig ist auch eine ausreichende Feuchtigkeit während der Brut und ganz besonders in der Schlupfphase. Perlhuhneier trocknen sehr leicht aus, so dass die Küken leicht stecken bleiben, indem die Eihaut an ihnen hängen bleibt. Um diesem vorzubeugen ist es sinnvoll beim Schlupf einen feuchtigkeitsgetränkten Lappen in die Brutmaschine zulegen oder die Eier damit abzudecken. Auch geschieht es bei falscher Einstellung, dass Zehen zusammenwachsen und die Küken dann nicht laufen können sondern Fröschen gleich umherhüpfen. Stimmen jedoch alle Parameter dann geht der Schlupf sehr rasch vonstatten. Meist liegen zwischen erstem Picken und dem Ausschlüpfen nur etwa drei Stunden. Insgesamt dauert die Braut etwa 26 bis 30 Tage. Meiner Erfahrung nach hängt dies im wesentlichen von der Wetterlage und den Mondphasen ab. Bei Vollmond und warmer, trockener Witterung schlüpfen die Küken bereits mit 26 Tagen, bei feuchtkaltem Wetter erst am 30. Tag, wobei sich der gesamte Schlupf über 1 bis 2 Tage hinziehen kann.
Der Schlupf erfolgt anders als bei Hühnerküken. Während das Hühnerküken erst ein Loch ins Ei pickt, und dann ringsum, die obere Eihälfte von der unteren trennt, sprengt das Perlhuhnküken vom Anfangsloch aus die Eischale dreieckig auf.

Die Eintagsküken haben ein leicht höheres Wärmebedürfnis als Hühnerküken. Der Raum, in dem sich die Küken in der ersten Lebenswoche befinden, sollte daher 38 °C nicht unterschreiten. Auch eine hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 65 %) wirkt sich auf eine positive Entwicklung der Küken in den ersten Lebenstagen aus. In den ersten Lebenswochen sollte auf abwechslungsreiche Kost geachtet werden, vor allem tierisches Eiweiß wie Mehlwürmer ist zu empfehlen. Am besten eignet sich für die Startphase ein Wildgeflügel- oder Fasanenaufzuchtfutter. Der Fachhandel bietet hier ein vielfältiges Sortiment, bevorzugt sollte auf Aufzuchtfutter für Wildgeflügel zurückgegriffen werden. Vorsicht ist geboten, wenn das Futter Kokzidiostatika enthält. Perlhühner reagieren auf einige sehr empfindlich. Kupferverbindungen, vor allem Kupfersulfat ist für Perlhühner tödlich. Frischer klein geschnittener Schnittlauch oder Brennnesseln sind für die Küken jedoch ein Leckerbissen. Ab der vierten Woche kann auf anderes Futter umgestellt werden. Perlhuhnküken sind äußerst frohwüchsig und nehmen besonders in den ersten Wochen rasch an Gewicht zu. Ihre größte Wachstumsrate liegt in der dritten bis zur sechsten Woche, wo sie ca. pro Woche 350 g zunehmen.

 

In diesem Alter ist es auch empfehlenswert die Küken bei schönem Wetter Auslauf zu gewähren. In grasbewachsenen Ausläufen entwickeln sich die Küken viel rascher. Es gibt wohl kaum etwas frohwüchsigeres als die Küken der Perlhühner. Sind die Jungtiere ca. 14 Tage in Hör- und Sichtweite der Alttiere untergebracht, dann können sie im Alter von ca. 6 Wochen mit diesen vergesellschaftet werden.

Meine Erfahrungen mit Perlhühnern  bei der Vererbung

von Ortwin Großmann

 

 

 

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit der Zucht von Perlhühnern. Da sich in der Literatur kaum Angaben zur Vererbung der Farbe und Zeichung finden, habe ich meine Erfahrungen hier zusammengefasst. Dabei möchte ich im Wesentlichen hier nur auf die in Deutschland bekannten Farbenschläge eingehen. In den USA kennt man noch unifarbene Tiere.

Wie die meisten Züchter begann auch ich1977 mit dem wildfarbenen Farbenschlag, dem jedoch zwei Jahre später bereits die Perlgrauen folgten und wiederum zwei Jahre später die violetten. Da ich meine Tiere damals in einer einzigen Zuchtgruppe hielt, fielen in den ersten Jahren ausschließlich wildfarbene Tiere und einige wenige Perlgraue. Es dauerte mehrere Jahre bis wieder ein violettes Tier in der Nachzucht anfiel, und zu meiner Verwunderung auch mehrere Azurfarbene. Dies faszinierte mich und ich begann gezielte Verpaarungen zu unternehmen. Relativ rasch stellte ich fest, dass es bei Perlhühnern hinsichtlich Farbe und Zeichnung fast nur dominant/rezessive Erbgänge gibt und bei den damals von mir gehaltenen vier Farbenschlägen Blau, Perlgrau, Violett und Azur gab es keine Überraschungen. Die dunklen Farbenschläge dominierten übder die hellen, die reduzierten über die geperlten. Einige Überraschungen gab es jedoch als ich begann auch weiße Tiere einzupaaren. So erbrachte die Verpaarung von 1,0 weiß mit 0,1 Perlgrau ausschließlich blaue Tiere, was meine damaligen Erkenntnisse schier auf den Kopf zu stellen schien. Erst weitere Zuchtexperimente mit den nachfolgenden Generationen erschlossen mir den Zusammenhang.

Um das komplizierte genetische Gefüge klarer zu erkennen, ist es nötig das Erscheinungsbild des Perlhuhns zunächst in einzelne Komponenten zu zerlegen. Diese Komponenten sind Grundfarbe, Zeichnung, Mantelfarbe und Ausbreitungsfaktor der Mantelfarbe. 

 

Grundfarbe:

Am bekanntesten und verbreitetsten ist die blaue Wildfarbe. Hierbei wirkt die Gefiedergrundfarbe des Perlhuhns graublau. Die einzelne Feder der Wildfarbenen ist bei genauer Betrachtung jedoch eher indigoblau, was auf den Kontrast mit den weißen Perlen zurückzuführen ist. Denn fehlen die weißen Perlen als Kontrast wirkt auch die einzelne Feder graublau. Genau dies ist beim violetten Farbschlag der Fall. Hinsichtlich Grundfarbe sind die beiden Farbenschläge Blau und violett also gleich; sie unterscheiden sich nur durch ihre Zeichnungsanlagen. Durch Vorhandensein eines Verdünnungsgens kann diese Grundfarbe nun zusätzlich aufgehellt sein, sodass das Körpergefieder hellblau wirkt. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn die Verdünnung (dd) in reinerbigem Zustand, also zweifach vorhanden ist. Durch das Verdünnungsgen entstehen je nach Zeichnungsanlage die Farbenschläge Perlgrau und Azur. Damit wird auch klar, dass blaue Grundfarbe gegenüber perlgrauer oder azurblauer dominant ist die Grundfarbe (C) kann jedoch nicht nur verdünnt sein, sie kann auch komplett ausfallen, wobei die Zeichnungsanlage vollständig erhalten bleibt. Es ist also notwendig hinsichtlich der Grundfarbe die „genetischen Zustände“ Pigmentierung vorhanden (CC) oder Pigmentierung nicht vorhanden (cc) zu unterscheiden. Farbenschläge mit Grundfarbe sind somit Blau, perlgrau, violett und azur, Farbenschläge ohne Grundfarbe sind weiß, chamois, chamois mit red. Perlung, lavendelblau und lavendelblau mir red. Perlung. Die Erkenntnis, dass bei weißen geperlten Tieren die Grundfarbe nicht verdünnt ist, sondern ausgefallen, brachte die oben erwähnte Verpaarung des weißen Hahnes mit der perlgrauen Henne. Nur, wenn die Grundfarbe bei weißen Tieren komplett ausgefallen ist, ist es möglich aus dieser Verpaarung blaue Nachkommen zu erhalten. Denn bei Fehlen einer Grundfarbe spielt es keine Rolle, ob zusätzlich ein Gen für Verdünnung vorhanden ist oder nicht. Es kann sich nicht auf die Grundfarbe auswirken. Bei oben erwähnter Verpaarung hatte der weiße Hahn keine Anlagen für Grundfarben und hatte auch keine für Verdünnung, die Partnerin war dagegen reinerbig für Grundfarbe und ebenso reinerbig für Verdünnung. Dies erklärte, warum die Nachkommen in der F1 alle wildfarben (CcDd) waren.

Als Zeichnungsmuster kennen wir geperlte Tiere, Tiere mit reduzierter Perlung und ungezeichnete Tiere (unifarbig)

 

Unifarbige Tiere sind in Deutschland weitestgehend unbekannt, daher will ich darauf vorerst nicht eingehen. Leider ist es so, dass die Nomenklatur der Farben und Zeichnungen nicht einheitlich ist. Grundfarbe und Zeichnungsmuster zusammen ergeben zwar eine Farbe, doch werden die unterschiedlichen Kombinationen verschieden benannt. Blau und geperlt heißt im Standard blau (wildfarbig), hellblau und geperlt heißt perlgrau, blau und reduziert heißt offiziell violett mit reduzierter Perlung, und hellblau mit reduzierter Perlung wird azurblau mit reduzierter Perlung genannt. Genau genommen gibt es aber violett mit reduzierter Perlung nicht. Korrekt wäre es von blauen Tieren mit reduzierter Perlung zu sprechen. Die weiße Grundfarbe ist nicht etwa eine weitere Aufhellung von hellblau, sondern  ein Totalausfall des Grundfarbe. Wären Tiere mit weißer Grundfarbe eine Aufhellung der hellblauen Grundfarbe, dann wären die weißen Tiere die reinerbigen, die hellblauen aber die mischerbigen; so wie es  bei der blauen Farbe der Hühner ist. Da aus der Verpaarung reinerbig perlgrau mal reinerbig perlgrau jedoch immer nur perlgraue Tiere, und nie weiße fallen, kann Weiß weder die Aufhellung von Hellblau noch die reinerbige Form von Hellblau sein, und muss daher als Ausfall der Grundfarbe betrachtet werden. Dies zeigt auch die Verpaarung von 1,0 chamois reduziert mit 0,1 azur. Aus dieser Verpaarung würde man bei Weiß als Verdünnung nur azurfarbige Tiere erwarten. In der Praxis fielen jedoch 50 % azur und 50% violett, was zunächst verwirrt. Doch ist dies der Beweis, dass  die weiße Grundfarbe ein Totalausfall der Pigmente ist. Denn bei einem Pigmentausfall spielen die anderen an der Farbe beteiligten Gene keine Rolle mehr und können über Generationen verdeckt weitervererbt werden. Sie treten erst wieder zu Tage, wenn Tiere mit weißer Grundfarbe an pigmentierte Tiere verpaart werden. Im angeführten Beispiel ist der chamois reduzierte Hahn spalterbig für eine unverdünnte Grundfarbe. Wäre er reinerbig dafür, würden sogar nur violette Tiere fallen.
An dieser Stelle nun doch noch ein Wort zu den Unifarbenen Tieren in den USA. Bei ihnen ist nicht nur die Grundfarbe ausgefallen, sondern auch die Zeichnungsanlage. Die Tiere sind einfarbig und zur Farbausbildung wird lediglich das Gen der Schleierfarbe (siehe unten) herangezogen.
 

Um die weiteren Farbschläge beschreiben zu können, reichen Farbe und Zeichnung allein nicht aus. Denn bei der Farbvererbung bei Perlhühnern gibt es noch zwei weitere Faktoren, die eine Rolle spielen, und die sich ebenfalls dominant/rezessiv vererben.
Der eine Faktor ist wohl eine Pigmentfarbe aus der Familie der Xanthophylle, denn er lässt sich über die Fütterung beeinflussen. Zudem ist dieser Farbstoff fettlöslich. Diese Pigmentfarbe ist bei allen Perlhuhnfarbschlägen vorhanden. Sie liegt noch über der Grundfarbe, ist aber nur bei den aufgehellten bzw. den Farbenschlägen mit unpigmentierter Grundfarbe deutlich zu sehen. Man kann diese Pigmentfarbe auch Schleier-, Glanz-, Leucht- oder Mantelfarbe nennen. Denn sie gibt den Tieren erst eine intensive Färbung. Allerdings ist dieses Farbpigment meiner Erkenntnis nach nicht UV- beständig. Diese Schleierfarbe gibt es in gelb (chamois), braun und blau. Der gelbe Schleier ist der am weitesten verbreitete. Bei Tieren mit blauer Grundfarbe fällt er kaum auf. Jedoch zeigt sich sein Vorhandensein im Jugendgefieder der Tiere. Da die Schleierfarbe nicht UV-beständig ist, wirken die Tiere im Hochsommer stark ausgebleicht. Bei blauen Tieren fällt dies am wenigsten auf, perlgraue sind stärker betroffen und am auffälligsten ist die Ausbleichung bei violetten und azurfarbenen Tieren, was mit der reduzierten Zeichnungsanlage zusammenhängt, da hier die Schleierpigmentierung einen großen Teil der Gefiederfarbe ausmacht. Chamoisfarbene und  chamoisfarbige Tiere mit   reduzierter Perlung wirken im Hochsommer nahezu weiß, wobei die Perlung nur bei genauer Betrachtung noch sichtbar ist. Gelbe und Blaue Pigmente kommen auf dem gleichen Genort vor, sind also so genannte Allele, wobei Gelb über Blau dominiert. Die braunen Schleierpigmente stellen die Mischform aus beiden Typen dar. Es handelt sich hierbei also um einen intermediären oder unvollständig dominanten Erbgang.

 

Der chamoisfarbene (gelbe) Schleier auf weißer Grundfarbe ergibt die standardisierten Farben chamois, weiß und chamois reduziert. Da es sich hier um eine Fettfarbe bzw. einen Farbstoff handelt, der auf die Grundfarbe aufgelagert ist, werden diese Farbenschläge niemals so gleichmäßig zu bekommen sein, wie die häufigeren Farben blau, perlgrau, violett und azur.
Der braune, also mischerbige Schleier ist in Deutschland bei keinem Farbenschlag standardisiert. Doch werden Tiere mit braunem Schleier und weißer Grundfarbe gelegentlich aus Unkenntnis als chamoisfarbene Tiere ausgestellt. Der blaue Schleier ist der seltenste, da er nur in reinerbiger Form zu sehen ist. Richtige lavendelblaue Tiere haben eine weiße Grundfarbe und eben diesen Blau-Schleier, und sind nicht, wie oft ausgestellt, etwas hellere Perlgraue. Weiße Tiere mit Blauschleier bleichen im Sommer ebenfalls aus, und wirken bräunlich. Dies kann als Beweis dafür gelten, dass der Schleierfarbstoff in die Gruppe der Xanthophylle (braune Farbstoffe) gehört.
Bei den Farbenschlägen mit geforderter Schleierfarbe, wie chamois, chamois reduziert, lavendel und lavendel reduziert sind die Hähne jeweils blasser in der Farbe. Dies ist geschlechtsspezifisch ! Man sollte hier nicht unbedingt von geschlechtsgebunden sprechen, da die Schleierfarbe wohl nicht auf den Geschlechtschromosomen verankert ist. Es gibt jedoch noch einen weiteren Faktor, der die optische Gefiederfarbe der Perlhühner beeinflusst. Nach längerer Überlegung möchte ich diesen Faktor Ausbreitungsfaktor nennen. Es gibt Tiere die diesen Ausbreitungsfaktor nicht haben, diese zeigen die Schleierfarbe nur an der Körperunterseite und auf den Flügeln. Ist der Ausbreitungsfaktor jedoch vorhanden, so sind auch Schwingen und Rücken mit der Schleierfarbe eingefärbt. Die Schultern sind hierbei jedoch immer am hellsten. Hier sind wir nun beim Unterschied zwischen den Farbenschlägen weiß und chamois sowie lavendelblau und porcaillan (in Deutschland nicht anerkannt). Standardgemäße weiße Tiere haben einen rahmgelben Schleier (und keine Grundfarbe, wie im Standard zu lesen !) auf Flügel und Körperunterseite. Chamoisfarbene Tiere dagegen sind praktisch "rundum" von der Schleierfarbe überzogen. Lavendelblaue Tiere haben eine weiße Grundfarbe mit dem oben angeführten blauen Schleier. Zusätzlich haben sie jedoch noch den erwähnten Ausbreitungsfaktor. Weiße, geperlte Tiere mit blauem Schleier, und ohne Ausbreitungsfaktor sind nahezu weiß, zeigen aber im Flügel und Bauchseite einen sehr zarten Blauton. In Amerika nennt man diese Färbung porcellain. In Deutschland werden sie gelegentlich als weiße ausgestellt. Für den reduzierten lavendelblauen Farbenschlag gilt dies genauso. Tiere mit Reduktion und weißer Grundfarbe mit Ausbreitungsfaktor sind die richtigen lavendelblauen, Tiere ohne Ausbreitungsfaktor kommen bei uns nicht in die Ausstellungen, da ein weiß reduzierter Farbschlag nicht standardisiert ist. Diese Tiere werden aber in den USA opalin genannt.

Am deutlichsten ist das Vorhandensein des Ausbreitungsfaktors am Eintagsküken der reduzierten Farbenschläge zu erkennen, denn Tiere mit diesem Faktor haben eine breite Rückenzeichnung, während Tiere ohne diesen Ausbreitungsfaktor lediglich einen breiteren farbigen Streifen vom Kopf über den Rücken zeigen. Das Fehlen des Ausbreitungsfaktors ist dominant.

Die oft in der Literatur beschriebene Scheckzeichnung trat bei mir in über 25-jähriger Zucht nicht ein einziges Mal auf. lediglich im Jahr 1998 fiel ein Tier mit rechtsseitig 10 weißen Handschwingen, was ich auf Punktmutation oder eher noch Crossing Over zurückführe. Denn Scheckung ist ein weiterer Faktor, der sich unabhängig von Farbe, Zeichnung, Schleier und Ausbreitung vererbt. Er kann praktisch mit allen Möglichkeiten gekoppelt sein, wobei mir reduzierte, gescheckte Tiere noch nicht begegnet sind. Das Scheckungsgen ist dominant. Beispielsweise ergeben sich aus der Verpaarung 1,0 perlgrau-gescheckt und 0,1 blau 100% blaugescheckte Tiere. Dabei fällt auf, dass gescheckte Perlhühner beim Schlupf den reduzierten recht ähnlich sehen. Lediglich um die Augen herum zeigen sie ebenfalls weiße Zeichnung, die bei den reduzierten Tieren noch farbig ist. Bei erwachsenen Tieren zeigen die weißen Farbfelder weder reduzierte noch volle Perlung, sondern sie sind rein weiß.
Tiere mit doppeltem Scheckungsfaktor, also reinerbige, sind rein weiß, ohne Perlung und Streifenbildung, und ohne farbige Federn. Aus der Verpaarung gescheckt mal gescheckt fallen einfarbige, gescheckte und unifarbene weiße Tiere. Die Unifarbenen Weißen zeigen auch keinerlei Anzeichen von Schleierfarben.

Wenn man nun das bisher Beschriebene zusammenfasst und Genformeln für die einzelnen Farbenschläge aufstellt, dann ergibt sich folgendes Bild:

 

Farbschlag
 

 

Genformel
 

 

Blau
 

 

CC PP DD VV EE pdpd
 

 

Perlgrau
 

 

CC PP dd VV EE pdpd
 

 

Violett
 

 

CC pp DD VV ee pdpd
 

 

azur
 

 

CC pp dd VV ee pdpd
 

 

chamois
 

 

cc PP DD1)  VV ee pdpd
 

 

chamois m. red. P.
 

 

cc pp DD1)  VV ee pdpd
 

 

lavendelblau
 

 

cc PP DD1)  vv ee pdpd
 

 

lavendelblau m. red. P.
 

 

cc pp DD1)  vv ee pdpd
 

 

weiß
 

 

cc PP DD1) VV EE pdpd
 

 

Pergrau- Gescheckt
 

 

CC PP DD VV EE PDP
 

 

Verwendete Abkürzungen:

C = Farbstoffbildung (pigmentierte Grundfarbe)

c= keine Farbstoffbildung (unpigmentierte Grundfarbe)

P = geperlt

p = reduzierte Perlung

D = unverdünnte Grundfarbe

d = verdünnte Grundfarbe

V  = gelbe Schleierfarbe

v = blaue Schleierfarbe

E = kein Ausbreitungsfaktor

e = Ausbreitungsfaktor

Pd = Gescheckt

pd = nicht gescheckt

1) = Gen spielt bei  der Ausprägung keine Rolle d.h. es kann DD Dd oder dd sein
 

Die Buchstaben wurden nach den englischen Begriffen gewählt:

C = Color (Farbe)

P = pearled (geperlt)

D = Dilution (Verdünnung)

V = Veil (Schleier)

e = expansion (Ausdehnung)

Pied = Gescheckt

 

Es ist zu berücksichtigen, dass in obiger Tabelle nur von in allen Merkmalen reinerbigen Tieren ausgegangen wurde. Ein blaues Tier kann aber in fast allen Merkmalen auch mischerbig sein, um phänotypisch als blaues Tier zu erscheinen. Es kann folglich auch folgende Genformeln haben:

Cc PP DD VV EE pdpd

Cc Pp DD VV EE pdpd

Cc Pp Dd VV EE pdpd

Cc Pp Dd Vv EE pdpd

Cc Pp Dd Vv Ee pdpd

und da Ausbreitungsfaktor keine und die Schleierfarbe fast keine Rolle bei blauen Tieren spielen, kommen sogar noch folgende Variationen in Frage:

Cc Pp Dd vv Ee pdpd

Cc Pp Dd vv ee pdpd

Lediglich ein Tier mit der Formel Cc Pp Dd Vv ee pdpd würde als schmutzig braunes Tier auffallen.

 

Ein unpigmentierter Hahn mit reduzierter Perlung und  braunem Schleier. Welche Genformel hat er wohl ?

(Für die Lösung markieren Sie am besten die Zeile mit dem Smilies)

☺cc pp DD (oder Dd oder dd) Vv ee pdpd☺

 

Aufnahmeantrag
Beitrittserklärung neu.pdf
PDF-Dokument [231.2 KB]
Perlhuhnruf.
Druckversion Druckversion | Sitemap
© 2015 Sonderverein Deutscher Puten- und Perlhuhnzüchter e.V.